Potsdam.social - Mastodon Instanz für Potsdam?

Ich habe den folgenden Beitrag schon im freiLand Forum gepostet, aber die machBar/WiLaP Gemeinschaft ist da ja nicht komplett vertreten, weswegen ich den hier nochmal spiegle. Freue mich über Rückmeldungen:


Ich war dieses Jahr bei der re:publica und habe mir unter anderem das Panel zu “Save Social” angeschaut, in dem es darum ging, wie wir bessere Soziale Medien (zurück)bekommen können. Also: Wo stehen wir gerade, wenn es um digitale Öffentlichkeiten geht – und wie schaffen wir Plattformen, die nicht in der Hand einzelner Milliardäre und ihrer politischen Agenden liegen?

:point_right: Hier der Link zum Panel: https://www.youtube.com/watch?v=2Inkp4LjFck
Die Diskussion beginnt etwa bei Minute 22, nach drei kurzen Texten von Marc.


Falls ihr es euch nicht anschauen oder anhören wollt – hier eine kurze Zusammenfassung:

Im Zentrum des Panels stand die Initiative SaveSocial.eu – eine europäische Kampagne, die sich dafür einsetzt, soziale Netzwerke wieder als demokratische Räume zu denken und zu gestalten. ( Die Initiative wurde auf Safer Internet Day 2025 präsentiert und ist mittlerweile mit über 100 prominenten Unterstützer:innen aus Kultur, Medien, Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung vernetzt – u. a. Jan Delay, Dr. Herta Däubler-Gmelin, Evanelina Kountidou, Markus Beckedahl und viele mehr)

Die Idee: Schluss mit der Abhängigkeit von wenigen Konzernen, deren Geschäftsmodell auf Werbung, Aufmerksamkeitsausbeutung und algorithmischer Polarisierung beruht. Stattdessen braucht es digitale Öffentlichkeiten, die gemeinwohlorientiert, dezentral, interoperabel und öffentlich finanziert sind.

Die Initiative fordert u.a.:

  • dass öffentlich-rechtliche Inhalte auf offenen Plattformen verfügbar gemacht werden,
  • dass Alternativen wie Mastodon systematisch gefördert und weiterentwickelt werden,
  • dass Interoperabilität gesetzlich durchgesetzt wird – also der Wechsel zwischen Plattformen samt sozialem Netzwerk möglich wird,
  • dass es Rechts- und Förderrahmen für gemeinnützige Plattformbetreiber gibt,
  • und dass digitale Bildung auf solchen offenen Infrastrukturen stattfindet.

Wenn Ihr es noch etwas ausformulierter braucht - hier geht’s zum “Manifest” der Initiative: https://savesocial.eu/wp-content/uploads/2025/02/SAVESOCIAL_DE_eg_FINAL.pdf

Auf dem Panel gab’s viele gute Impulse von den drei Gästen:innen:
Markus Beckedahl (netzpolitik.org) brachte die netzpolitische Perspektive mit.
Franziska Heine (Wikimedia) sprach aus Sicht offener Wissensinfrastrukturen.
Marc-Uwe Kling hat die Position reingebracht, wie Künstler:innen von Konzern-Plattformen abhängig gemacht werden – und warum das ein gesellschaftliches Problem ist.


Was mich besonders mitgenommen hat und wo ich seitdem drauf rum kaue, war der Teil der Diskussion, der sich mit lokalen Mastodon-Instanzen beschäftigt hat – also der Idee, dass Kommunen, Städte oder Kulturinitiativen eigene, dezentrale Plattformen betreiben sollten.

Das Ziel: digitale Räume für lokale Öffentlichkeiten schaffen, die mehr sind als bloße Ableger der großen Netzwerke. Ähnlich wie es früher die Lokalzeitung war – nur eben digital, föderiert und offen.

Dazu gehört:

  • Lokale Server & Instanzen, z.B. „potsdam.social“ :wink:
  • Moderation & technische Betreuung durch lokale Organisationen, kommunale IT oder NGOs
  • Kombination von digitalem und realem Raum – man würde Veranstaltungen, Kultur, Initiativen aus dem Viertel oder der Stadt dort bündeln (wie es rotes.potsda.mn ja schon für die “Szene” macht)
  • Verlässliche Betreiberstrukturen statt Hobby-Projekte, z.B. durch Stadtwerke, Bildungsträger oder gemeinnützige Hoster
  • Finanzierung durch kommunale Budgets, öffentliche Förderung oder Crowdfunding
  • Und ganz zentral: Interoperabilität – also die Möglichkeit, sich von einer lokalen Instanz mit allen anderen Nutzer:innen im Fediverse zu verbinden

Die Idee ist: Wir holen uns das Digitale zurück – nicht mit einem neuen Monopol, sondern mit vielen, vernetzten, lokalen Orten, die in öffentlicher oder zivilgesellschaftlicher Hand sind. Und mir geht es hier wirklich nicht explizit um die “linke Szene”, denn die kann sowas ja schon, wie man an Projekten wie rotes.potsda.mn sieht.


Ich habe unglaublich Lust, mich mit diesem Thema weiter zu beschäftigen – und ein Konzept für „Potsdam.social“ (oder so ähnlich) zu entwickeln. (nicht damit das freiLand das macht, sondern, damit in größerem Rahmen darüber nachgedacht wird, wie das umzusetzen wäre) Eine lokale Mastodon-Instanz für Potsdam – als digitaler Ort für Austausch, Kultur, Information, Öffentlichkeit.

Konkret passiert gerade Folgendes:

  • In zwei Wochen (am Mittwoch den 23. ab 18 Uhr im fL) treffe ich mich mit Daniel, der cultur.social betreibt – einer stark frequentierten Instanz, auf der u.a. auch Marc aktiv ist. Ich will verstehen, wie viel Aufwand Technik & Moderation machen – und was passiert, wenn man so etwas auf eine Stadt skalieren wöllte
  • aktuell gibt’s erste Gespräche mit dem Smart City Projekt. Ich will ausloten, ob sie an einem Anlaufversuch Interesse hätten.
  • Außerdem macht der Bereich IT-Infrastruktur & Service bald ein Sommerfest im freiLand – gute Gelegenheit zum Netzwerken.
  • Und ich würde mich gern mit den Leuten von rotes.potsda.mn zusammensetzen – um zu hören, was aus ihrer Sicht nötig ist, um so eine Instanz gut und dauerhaft zu betreiben.

Warum ich das hier poste:
Ich suche Menschen, die Lust haben, mit mir gemeinsam an dieser Idee weiter zu denken.
Wie könnte eine digitale, gemeinwohlorientierte Plattform für Potsdam konkret aussehen?
Was müsste sie leisten, wie ließe sie sich betreiben – und wer wäre dabei bzw. wär müßte dabei sein, damit das Ganze überhaupt funktionieren würde?

:point_right: Meldet euch gerne hier auf den Beitrag, wenn ihr Interesse habt, mitzudenken oder euch einfach mal auszutauschen. Ich freu mich auch über weitere inhaltliche Beiträge, die das ganze kritisieren, um Aspekte erweitern, usw.

1 „Gefällt mir“

Danke für den Impuls – ich teile mal ein paar kritische Punkte, die mir beim Gedanken an eine nicht-städtisch betriebene „potsdam.social“-Instanz sofort in den Kopf schießen:


1 / Moderation – wer entscheidet, was bleibt?

  • Hausrecht liegt komplett bei den Admins. In Mastodon sind alle Eingriffe (Löschen, Sperren, Warn-Banner) lokal – es gibt keine übergeordnete Instanz.
  • Damit hängt die ganze Debatte um Meinungsfreiheit, Hate-Speech, Desinformation an ein paar Ehrenamtlichen. Wer garantiert, dass sie dauerhaft neutral bleiben, nicht ausbrennen oder einfach verschwinden?
  • Obendrein verpflichtet die EU-DSA inzwischen auch Kleinst-Plattformen zu klaren Beschwerde-kanälen, Transparenz-berichten und zügiger Reaktion auf rechtswidrige Inhalte. Wer das nicht hinbekommt, riskiert Bußgelder.

2 / Werbung – „kostenlos“ heißt nicht werbefrei

  • Mastodon selbst schaltet keine Algorithmen-Ads, klar. Aber Nutzer-Posts können Werbung sein (Eigenpromo, Immobilien, Veranstaltungen …). Ohne klare Regeln und aktive Moderation wird der „lokale Marktplatz“ schnell zur Litfaßsäule.
  • Die meisten Instanzen regeln das über Server-Regeln („Keine reinen Werbe-Toots, Kennzeichnungspflicht, Rate-Limits“) – doch das setzt wieder motivierte Mods voraus, die das durchsetzen.

3 / Haftung & Rechtssicherheit

  • Sobald du eine „öffentliche Online-Plattform“ betreibst, steckst du in derselben juristischen Verantwortung wie große Player – nur ohne Rechtsabteilung im Rücken. Illegaler Content, Urheberrechts­sachen, Perso­nen­daten … alles landet letztlich auf dem Tisch der Admins. Latham & Watkinsilplab.nl
  • Eine Stadt als Betreiber hätte wenigstens Verwaltung, Personal-rat und Budget, um sich professionell abzusichern.

4 / Langfristige Verlässlichkeit

  • Wir alle kennen nette Hobby-Projekte, die nach zwei Jahren einschlafen (siehe diverse Facebook-Gruppen à la „Potsdam ohne Hetze“).
  • Für Publika­tionen, Kultur­kalender oder Behörden­infos brauchen wir eine Adresse, die auch in fünf Jahren noch online ist – inklusive Backup-Konzept, 24/7-Monitoring und DSGVO-konformer Infrastruktur.

5 / Legitimität & Vertrauen

  • Wenn die Stadt selbst hostet (oder zumindest offiziell unterstützt), ist die Schwelle für Presse, Ehrenamt, Schulen usw. viel niedriger:
    • Klarer Datenschutzvertrag statt „Server läuft irgendwo bei Freund X“.
    • Politisch ausgewogenes Moderations­gremium statt Gefühl, in einer „linken Bubble“ zu posten.
  • Andernfalls droht der Eindruck, es handle sich um einen Szene-Treff, den man „netterweise mitbenutzen darf“, aber nicht wirklich ernstnehmen muss.

Bottom line:
Eine lokale Fediverse-Instanz klingt super – wenn sie strukturell so solide ist wie eine Stadt­bibliothek: offen für alle, finanziell gesichert, professionell moderiert. Ohne kommunales Rückgrat bleibt das Risiko, dass wir nur die nächste kurzlebige Hobby-Insel gründen. Vielleicht lohnt es sich also eher, die Stadtwerke, das Smart-City-Team oder die öffentlichen Bibliotheken offiziell ins Boot zu holen, anstatt alles auf ehrenamtliche Schultern zu packen.

Bin gespannt, wie ihr das seht – vielleicht übersehe ich ja ein tragfähiges Hybrid-Modell. Meld’ mich gern, falls ihr die städtische Ebene stärker einbinden wollt.

1 „Gefällt mir“

Mega Danke für die ganzen konstruktiven Aspekte! Das hilft für die weitere Diskussion und ich nehme daraus jetzt schon einiges mit, was ich noch nicht so komplett auf dem Schirm hatte.

Die Bottom line teile ich übrigens voll und ganz.

Wir kennen uns noch nicht persönlich. Heißt das wir können mal zusammen rumspinnen, wie wir die städtischen Player zu so einem Projekt ansprechen/sie dafür begeistern können? Bist Du diesbzgl. gut vernetzt?

Danke dir fürs Angebot – was die städtische Ebene angeht: Ich bin da ehrlich gesagt nicht besonders gut vernetzt. Mein Background liegt eher im Bereich Social Communities und Plattform-Projekte. (Marketing , Grafik) Einige Ansätze gab es da schon – z.B. während Corona eine Plattform zu Maker-Initiativen oder auch zu Weiterbildungen im Business-Kontext. Hat sich aber alles nicht wirklich langfristig getragen.

Daher bin ich aktuell eher zurückhaltend, was neue Plattformideen angeht – oft starten solche Sachen mit viel Energie, verlaufen sich dann aber schnell wieder. Freiland-2D ist da vielleicht ein gutes Beispiel.

Trotzdem: Wenn du das Gefühl hast, da steckt mehr Potenzial drin oder du einen neuen Dreh siehst – lass uns gern mal rumspinnen.

1 „Gefällt mir“